24. April 2013. Demonstration in Hamburg. Gegen Leugnung und Vergessen

Gedenken an die Opfer des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich

Hamburg, 19.04.2013. Am 24. April 2013 jährt sich der türkische Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich zum 98. Mal. In Hamburg haben der Zentralrat der Armenier in Deutschland, der Armenische Kulturverein zu Hamburg und der Armenische Jugendverband Kilikia zu einem friedlichen Demonstrationszug aufgerufen. Um 17 Uhr startet die Demonstration mit einer Kundgebung in Gänsemarkt. Die Route führt zum Türkischen Konsulat.

Am 24. April 1915 gab die Führung des Osmanischen Reiches den Befehl, die armenische Elite in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zu verhaften und zu deportieren. Damit begann die planmäßige Vernichtung der Armenier in der osmanischen Türkei. Zwischen 1915 und 1916 wurden 1,5 Millionen Armenier sowie Hunderttausende Aramäer/Assyrer und Griechen Opfer eines Genozids, den der Friedensnobelpreisträger und Holocaustüberlebende Elie Wiesel den „Holocaust vor dem Holocaust“ nannte.
Wie überall auf der Welt, werden auch Armenier und mit ihnen solidarische Menschen in Hamburg am 24. April den Opfern des Genozids von 1915/16 gedenken und die Türkei dazu auffordern, dieses Menschheitsverbrechen endlich anzuerkennen und historische Verantwortung zu übernehmen. Zwar mehren sich seit Jahren auch in der Türkei kritische Stimmen, die die staatliche Leugnungspolitik ablehnen und dieses dunkle Kapitel der eigenen Geschichte aufzuarbeiten versuchen. Ankara hält jedoch weiterhin militant an seiner Völkermordlüge fest und droht Staaten wie Frankreich oder den USA, die das Thema Völkermord an den Armeniern auf die politische Tagesordnung setzen, mit wirtschaftlichen und politischen Sanktionen.

Für die offizielle deutsche Politik scheint in der Armenier-Frage auch nach fast einem Jahrhundert zu gelten, was im Oktober 1915 durch das deutsche Kriegspresseamt angeordnet wurde:
„Über die armenische Frage wird am besten geschwiegen.“ Die Bundesrepublik  will ihre guten Beziehungen mit dem Bündnispartner Türkei nicht aufs Spiel setzen. Nach der Armenier-Resolution des Bundestages im Jahre 2005, in der immerhin die Mitschuld Deutschlands eingestanden und die damaligen „Deportationen und Massaker“ verurteilt wurden, ist Berlin wieder zur Realpolitik übergegangen. Auf eine klare und unzweideutige Verurteilung der türkischen Verbrechen als Völkermord warten die Armenier bislang vergebens.

Als Deutsch-Armenier fordern wir die Bundesregierung – aber auch deutsche Medien und die deutsche Öffentlichkeit – dazu auf, uns in unserer Trauer nicht alleine zu lassen und unsere Forderungen nach historischer Gerechtigkeit zu unterstützen. Nur eine allseits bedingungslos aufklärende Erinnerungskultur kann zur Heilung und zur substanziellen Versöhnung zwischen Tätern und Opfern beitragen. Gerade die Deutschen wissen dies allzu gut.

Zentralrat der Armenier in Deutschland e. V.
Armenischer Kulturverein zu Hamburg e. V.
Armenischer Jugendverband Kilikia e. V.
 
 
Kontakt: kilikia@armenier-hamburg.de
  Tel.: 0172/5293429