LEPSIUSHAUS POTSDAM
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Lepsiushaus Potsdam und der Genozid an den Armeniern
Lepsiushaus
Potsdam
Förderverein Lepsiushaus Potsdam
Gutenbergstr. 71/72
14467 Potsdam
Betreff: Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung
Sehr geehrter Herr Prof. Goltz,
sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit beantragen wir eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Fördervereins Lepsiushaus Potsdam e.V. mit folgenden Tagesordnungspunkten:
1. Missbilligung der Mittäterschaft des Lepsiushauses in einer sogenannten türkisch-armenischen Historikerkommission 2. Diskussion des vorgelegten Jahresprogramms 2010 des Lepsiushauses.
Das Lepsiushaus sieht sich dem Auftrag verpflichtet, zur Versöhnung zwischen den Tätern und den Opfern des Völkermords von 1915 beizutragen.
Das steht in Übereinstimmung mit der Bundestagsresolution aus dem Jahre 2005, das steht ebenso in Übereinstimmung mit unseren Überzeugungen. Wir allerdings verstehen darunter keine politischen Spielchen, die am Ende immer zugunsten der Macht enden müssen. Wir verstehen unter Versöhnung einen Prozess, der auf der Basis gegenseitigen Respekts zunächst einmal Anerkennung bedeuten muss. Solange die Anerkennung des Völkermords nicht ansatzweise erkennbar ist, bleibt eine Versöhnung undenkbar: Es gibt ja keinen Gegenstand, über den Versöhnung zu erreichen sein sollte!
Die sogenannte türkisch-armenische Historikerkommission, die seit Jahren von türkischer Seite gefordert wird, ist ein politisches Instrument, das allein ein Ziel verfolgt: Die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch die Türken endgültig von der politischen Agenda zu fegen. (Der türkische Ministerpräsident: Muslime können keinen Völkermord begehen.)
Wenn das Lepsiushaus nun eine türkische Einladung zu einer solchen Kommission annehmen will, konterkariert dies unsere Jahrzehnte langen Bemühungen um Anerkennung. Das Lepsiushaus, dem wir uns bisher freundschaftlich verbunden fühlen, würde damit einen dramatischen Schwenk seiner bisherigen Arbeit verrichten und die Sicht der Türkei zu seiner Sache machen. Es gibt noch viel zu forschen - an der Faktizität des Völkermords kann es keinen Zweifel geben. Was also wäre die Aufgabe einer solchen Kommission, wenn nicht die Untermauerung türkischer Desinformationspolitik und die Akzeptanz der türkischen Holocaustlüge - notfalls per Mehrheitsbeschluss?
Sie können sich das Maß unserer Enttäuschung nicht vorstellen.
Wir beantragen daher diese außerordentliche Mitgliederversammlung, um in letzter Minute für Ihre Einsicht zu werben und damit die bisherige konstruktive Zusammenarbeit unserer Organisationen zu retten.
Wie dringend erforderlich eine generelle Diskussion Ihrer Positionen ist, geht auch aus dem jüngst vorgelegten Jahresprogramm hervor. Lassen Sie uns nur ein weiteres winziges Detail erwähnen: Sie bezeichnen Soghomon Gevorki Soghomonian - Komitas Vardapet in Ihrem Programm als „türkisch-armenischen Komponisten" und suggerieren einem nicht eingeweihten Publikum eine harmonisch binationale Identität dieses wunderbaren Künstlers. In Wahrheit ist er natürlich ein armenischer Künstler, der von den Türken in den Wahnsinn und in einen elenden Tod getrieben wurde. Bitte missbrauchen Sie diesen Namen nicht länger für Ihr Versöhnungsvokabular.
Mit freundlichem Gruß
Vorstand des Zentralrats der Armenier in Deutschland
Frankfurt am Main
20.01.2010
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Gruppe24April, Allensteiner Str. 5, D-50735 Köln
Eine Initiative des Zentralrats der Armenier in Deutschland und der
Diözese der Armenisch-Apostolischen Kirche in Deutschland
17. Januar 2010
Lepsiushaus Potsdam e. V.
Förderverein Lepsiushaus Potsdam
Gutenbergstr. 71/72
14467 Potsdam
Sehr geehrter Herr Prof. Goltz,
sehr geehrte Damen und Herren,
seit etlichen Jahren bemühen wir uns um eine Aufarbeitung des
Völkermords an den Armeniern durch die
Türkei und um Aufklärung der Öffentlichkeit in Deutschland über die
Ereignisse von 1915 und die furchtbaren
Folgen für die armenische Seele. Dabei haben wir immer im Blick, dass es
eines Tages eine Versöhnung von
Tätern und Opfern geben muss.
Ein solcher Täter-Opfer-Ausgleich aber ist grundsätzlich nur möglich,
wenn beide Seiten zumindest ansatzweise
ihre eigene Geschichte akzeptieren. Was sollte die Versöhnung sonst wohl
leisten, wenn sie das Erinnern
ausblendet?
In unserer Arbeitsgruppe, einer Initiative des Zentralrats der Armenier
in Deutschland und der Diözese der
Armenischen Kirche in Deutschland, gab es nie einen Zweifel, dass die
Anerkennung des Völkermords durch
die internationale Gemeinschaft und durch die Türkei selbst erst die
Basis zu einer wirklichen inneren
Versöhnung schaffen kann.
Wir sind erschüttert, in Ihrem Jahresprogramm 2010 zu lesen: "Der
Vorstand des LEPSIUSHAUS POTSDAM
e. V. nimmt für 2010 (ff.) die Einladung der türkischen Regierung an
ausländische Wissenschaftler an, in der
türkisch-armenischen Geschichtskommission mitzuwirken." Die Türkei
fordert diese Kommission seit Jahren,
um das Thema endgültig vom Tisch zu bekommen - eine sehr erfolgreiche
Variante der Diplomatie:
unangenehme Themen in eine Kommission zu geben und sie dort bis zu
St.-Nimmerleinstag schmoren zu
lassen. Am Ende steht irgendwann ein Mehrheitsbeschluss, dem sich gute
Demokraten natürlich beugen
müssen... Die Mehrheit steht selbstverständlich da, wo die Macht zu
Hause ist. Geht Geschichte so?
Tatsächlich waren wir bisher der Meinung, dass kein ernst zu nehmender
(nicht-türkischer) Historiker die
Faktizität des Genozids von 1915 in die Entscheidungsmacht einer solchen
staatlich kontrollierten Kommission
geben würde. Geschweige denn, dass er sich an einer solchen Kommission
beteiligte. Offenbar haben wir uns
geirrt. Sie, verehrter Herr Prof. Goltz, wollen dieses Spiel mitspielen.
Wir haben in Ihnen bisher einen Freund der Armenier gesehen, der
Tradition des Johannes Lepsius und den
moralischen Forderungen eines großen Menschheitsverbrechens
verpflichtet. Haben wir uns geirrt? Wir können
Sie nur bitten, die Einladung zur Mitwirkung an einer globalen
türkischen Desinformationskampagne zurück zu
weisen.
Die irritierenden - und bedingungslosen - Versöhnungsangebote, die Sie
darüber hinaus Ihrem türkischen
Publikum mit dem gesamten Jahresprogramm des Lepsiushauses machen,
lassen uns einen grundsätzlichen
Diskurs zum Thema „Erinnern und Versöhnen" dringend erforderlich zu
machen. Wir sind dazu gern bereit.
Mit freundlichen Grüßen
Gruppe 24April
