Ahmadinedschad musste auf die Blumenniederlegung an der Gedenkstätte für die Opfer des Völkermordes an Armeniern verzichten, die für alle hohen Staatsgäste fast zum Pflichtprogramm gehört, schreibt am Mittwoch die russische Zeitung „Wremja Nowostej". Auch die Moslems in der Blauen Moschee in Jerewan und die Parlamentsabgeordneten warteten vergeblich auf den iranischen Präsidenten.
Nach seiner Rückkehr nach Teheran dementierte Ahmadinedschad in einem Gespräch mit der iranischen Nachrichtenagentur IRNA die Meldungen über den Abbruch des Besuchs. Er habe sich in Armenien sogar 1,5 Stunden länger aufgehalten als geplant war.
Während seines Aufenthalts traf er sich mit dem armenischen Präsidenten Robert Kotscharjan und würdigte auf der nachfolgenden Pressekonferenz „feste kulturelle und historische Bande", die das armenische und iranische Volk verbinden.
Laut „Wremja Nowostej" bestätigten beide Staatschefs die Absicht, ein Wasserkraftwerk am Grenzfluss Araks und eine Raffinerie für iranisches Rohöl in Armenien zu bauen. Die Ölprodukte sollen nach Iran geliefert werden. Ein weiteres Thema waren armenische Lkw-Transporte über iranisches Territorium.
Auch das Thema des Völkermordes an Armeniern im Osmanischen Reich von Anfang des 20. Jahrhunderts konnte Ahmadinedschad nicht umgehen. Bei seinem Treffen mit Studenten und Dozenten der Jerewaner Universität wurde er darauf direkt angesprochen. Wie die aserbaidschanischen Nachrichtenagentur Day.az berichtete, gab Ahmadinedschad eine diplomatische Antwort: „Die zahlreiche armenische Diaspora in Iran führt jedes Jahr Veranstaltungen zum Andenken an dieses Ereignis durch." Ohne das Wort „Völkermord" zu erwähnen, fuhr er fort: „Wir verurteilen jede Verletzung der Menschenrechte. Unsere Position basiert auf zwei Aspekten: Ein jedes Volk darf seine Geschichte nicht vergessen, muss sich jedoch der Zukunft zuwenden, damit das Andenken nicht zu einem Rückfall in die Vergangenheit führt. Zweitens steht Iran immer zu Armenien und blickt mit ihm in eine lichte Zukunft."