PROTEST GEGEN DINK-BEERDIGUNG.Nationalist entführt Fähre in der Türkei
"Wir sind alle Armenier" - das hatten mehr als 100.000 Menschen vor einer Woche gerufen, als der ermordete türkisch-armenische Journalisten Hrant Dink in Istanbul beerdigt wurde. Ein deswegen erboster Nationalist entführte eine Autofähre.
Der 36-Jährige hielt das Schiff imit mehreren dutzend Passagieren an Bord in den Dardanellen zweieinhalb Stunden lang in seiner Gewalt, bevor er sich der Polizei stellte. Dies berichten türkische Medien. Der Mann behauptete, Plastiksprengstoff bei sich zu haben.
Der Éntführer hatte den Kapitän der Fähre mit einer Pistole bedroht und eine türkische Flagge gehisst. Die Passagiere konnten das Schiff verlassen, nachdem die Fähre im Hafen von Gallipoli angelegt hatte. Den Kapitän ließ der Entführer erst frei, nachdem er Journalisten Erklärungen abgegeben hatte. Danach wurde der Mann festgenommen. Die Pistole, die er bei sich trug, stellte sich als Schreckschusswaffe heraus, Sprengstoff wurde nicht gefunden.
Bei seiner Festnahme sagte Nihat A., er sei "türkischer Patriot". "Ich habe das für das Vaterland getan", sagte er in die Fernsehkameras. Der örtliche Vize-Gouverneur Yusuf Ziya Ince sagte, der Mann habe die Geiselnahme damit erklärt, dass ihn die Slogans auf der Trauerfeier für Dink "irritiert" hätten.
Der Trauermarsch, bei dem mehr als 100 000 Menschen dem ermordeten Journalisten die letzte Ehre erwiesen hatten, hatte unter dem Motto gestanden: "Wir sind alle Hrant Dinks, wir sind alle Armenier". Daran hatten nationalistische Kreise in der Türkei Anstoß genommen. Dink war am 19. Januar in Istanbul von einem Ultranationalisten erschossen worden.
