Trauer und Solidarität bekundet

Samstag, Januar 27, 2007
Samstag, Januar 27, 2007

VON EVA JANINA RULLMANN, 28.01.07, 20:12h

Hunderte Menschen zogen am Samstag beim Trauermarsch durch die Innenstadt.

Mit ernsten Minen trugen am Samstag fünf Frauen ein weißes Banner durch die Innenstadt. Zu lesen war darauf: „Wir alle sind Hrant Dink - Wir alle sind Armenier". Doch die Frauen, Angehörige der armenischen Gemeinde, waren nicht die Einzigen, die öffentlich ihr Entsetzen und ihre Trauer bekundeten: Ihnen folgten Hunderte von Menschen im Trauermarsch für den ermordeten Journalisten Hrant Dink. Neben Dutzenden von weiteren Plakaten mit Aufschriften wie „Ermordet, weil er Armenier war" wehte ein Fahnenmeer aus rot-blau-orange in der Menge - den Farben der Armenier.

Auf der Straße erschossen

Hrant Dink war Herausgeber der Wochenzeitschrift „Agos", in der politisch heikle Themen offen diskutiert werden - und zwar in zwei Sprachen: armenisch und türkisch. Dink, einer der prominentesten Vertreter der armenischen Minderheit, war am 19. Januar in Istanbul auf offener Straße vor dem Verlagsgebäude erschossen worden. Der 52-jährige war wegen „Beleidigung des Türkentums" in einem seiner Artikel über die armenische Identität zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der heftig kritisierte Paragraf 301, aufgrund dessen er verurteilt worden war, sieht für Beleidigungen des Türkentums Haftstrafen bis zu drei Jahren vor.

Durch das widrige Wetter ließen sich die Menschen am Samstag nicht von der Teilnahme am Trauermarsch abhalten. Mehr als eine Stunde lang zogen sie vom Rudolfplatz über die Breite Straße bis zur Domplatte, wo die Veranstaltung in einer Kundgebung endete. Über tragbare Lautsprecher wurde immer wieder zum Gedenken an Hrant Dink aufgerufen. „Wir möchte aufmerksam machen was geschehen ist und unsere Trauer und Solidarität zeigen", sagt Minu Nikpag von der armenischen Gemeinde.